Die bewegte Geschichte des METROPOL
in Chemnitz / Deutschland

Nach Plänen des Chemnitzer Architekten Wenzel Bürger wurde 1912 und 1913 das imposante Chemnitzer METROPOL-Theater, das glanzvolle Gegenstück zu dem gegenüber liegenden Central-Theater für die respektable Summe von einer Million Mark als Varieté-Theater, Hotel- und Restaurantbetrieb, errichtet. Viele verschiedene Planungen waren notwendig, bis endlich die Baugenehmigung erteilt wurde.

Der Gebäudekomplex bestand aus einem 4-geschossigen Hauptgebäude mit steilem Mansardedach und einem großen mit zwei Rängen ausgestatteten Saalanbau, der 600 Personen Platz bot. Das Bauwerk in seiner monumentalen Erscheinung war reich gegliedert, mit Reliefs und Plastiken geschmückt und von unterschiedlichen Turmaufbauten geprägt.

Die Architektur erinnert an Tempelbauten der Antike und trägt Elemente des Historismus (Barock, Klassizismus) und Jugendstils.


Die Großartigkeit der äußeren Hülle wurde im Innenraum konsequent weitergeführt. Durch das lichtüberflutete Vestibül mit Marmorwänden, Säulen und Mosaiken gelangte man in die Empfangshalle, ausgestattet mit Kronleuchtern, wertvollen Bronzereliefs und wuchtigen Treppenbalustraden.

Zum Saal soll die Künstlerzeitschrift „Artist“ zitiert werden:
„Ein Wohlbehagen erfüllt uns im –Allerheiligsten- dieses Kunsttempels, in dem mit so einfachen Mitteln und doch wiederum auch so gediegener Pracht ausgestatteten Zuschauerraum.

Auch hier wieder wahre Lichtfluten, die Wände mit Seidentapeten bekleidet, die Seitenbrüstungen des ersten Ranges in Mahagonie, der Balkon in Mattgold gehalten, dazu ein Deckengemälde, hervorgegangen aus des Dresdner Meisters Goller Hand, das allein ein kleines Vermögen gekostet hat. Die Bühne entspricht den Forderungen moderner Cabarettkunst, sie ist einfach, aber stilvoll gehalten, besonders ist auf Bühnenbeleuchtung Wert gelegt. Das Orchester ist tief gelegt.

Eine Sehenswürdigkeit für sich ist das an das METROPOL-Theater sich anschließende METROPOL-Hotel, modernstes Haus in Chemnitz / Deutschland mit erstklassigem Komfort. Eine ganze Anzahl Artisten haben sich sofort in den anheimelnden Zimmern niedergelassen.“
Inserat für das HOTEL METROPOL (1913) Inserat für das HOTEL METROPOL (1913)
Der Architekt Wenzel Bürger schaffte sich sowohl mit dem METROPOL als auch mit den Entwürfen für die Chemnitzer Synagoge (preisgekrönt), für Geschäftshäuser, Fabrikgebäude und einige Villen für bedeutende Chemnitzer Fabrikanten ein Denkmal zu setzen.

In der überregionalen Presse war im September 1913 zu lesen: „ Damit hat Deutschland eines der schönsten Theater erhalten, das der leichtesten der Musen, der des Cabarets gewidmet ist!“

Zeitungsartikel zur Eröffnung am 23. September 1913 Zeitungsartikel zur Eröffnung am 23. September 1913 Dem Hause wurden von der Stadtverwaltung die Schankkonzession, die Singspielerlaubnis, die Tanzerlaubnis sowie die Musikschlussrunde mit folgenden Auflagen erteilt:
„Es sollten darin nur lustige, bunte Abende arrangiert und dazu Kabarett, moderne Tanzakte, musikalische Nummern herangezogen, kurzum ein Genre gepflegt werden, das mit dem Varieté nicht direkt kollidiert.“ Die Eröffnung der „METROPOL-Künstlerspiele“ erfolgte am 23. September 1913 mit „14 großen Debüts“ deutscher und internationaler Stars.

In den „goldenen Zwanzigern“ wurde das „METROPOL“ unter der Leitung seines Direktors Hermann Blum, der es schon vom ersten Tag an führte, zu einem echten Publikumsmagneten.
Programm des METROPOL Chemnitz / Deutschland vom März 1925 Programm des METROPOL Chemnitz / Deutschland vom März 1925
Der aufkommende Film Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre versprach mehr Gewinn. So wurde das METROPOL-Theater durch die Aktiengesellschaft in ein Lichtspieltheater umgebaut. Von 1936 bis zum Ende des 2. Weltkrieges firmierte das Haus unter „Filmpalast-METROPOL“.

1945 erlitt das Gebäude bei der Bombardierung der Chemnitzer Innenstadt starke Schäden. Die Dächer und Turmaufbauten wurden völlig zerstört.

Nach 18-monatiger Instandsetzung und dem vereinfachten Wiederaufbau des Daches, wobei das Gebäude um eine Etage verkürzt wurde, erfolgte am 22. April 1947 die Wiedereröffnung der METROPOL-Lichtspiele als neuntes Kino in Chemnitz / Deutschland. „Die Fledermaus“ flimmerte als erster Filmstreifen über die Leinwand.

Anfang der fünfziger Jahre wurden im ehemaligen Hoteltrakt Wohnungen hergerichtet.


Eine komplette Rekonstruktion im Saalbereich und an der Fassade fand in den achtziger Jahren statt, u. a. mit Putzerneuerung, Erneuerung der Haupteingangstüren in Metall, aber auch leider die Beseitigung der vier Plastiken über dem Mittelresalit. Nach der Wende übernahm die Ufa (Universum Film AG) das „METROPOL“, konnte aber das Konzept gegen die neu entstandenen Kinobetreiberketten Mitte bis Ende der 1990er Jahre nicht aufrecht erhalten.

Das Haus wurde am 30. April 1998 geschlossen, allerdings nicht lange, denn am 03. September 1998 eröffnete das Hamburger Unternehmen „Kino Kino Entertainment“ das METROPOL erneut.

Sieben Jahre betrieb die Hamburger Firma KKE das Haus als Sparpreiskino, um sich Ende 2005 aus Chemnitz / Deutschland zurückzuziehen. Aber bereits nach 12 Tagen Schließzeit eröffnete eine Chemnitzerin, Frau Evelin Paulat, als private Betreiberin das „METROPOL Chemnitz“ erneut.

Das Vestibül, die Empfangshalle, der Kinosaal bekamen endlich einen neuen Anstrich, die 371 Polstersitze wurden aufgearbeitet und gereinigt, Teppichböden, Vorhänge, Wandbespannungen wurden fachmännisch gereinigt, der Verkaufsbereich neu gestaltet, die Sanitäranlagen auf heutiges Niveau saniert.

So konnte die Nutzung bis heute aufrechterhalten werden, und damit ist auch die Geschichte dieses imposanten, altehrwürdigen Hauses immer noch hautnah erlebbar durch die unermüdlichen Bestrebungen und Anstrengungen der Betreiberin und ihrer treuen Helfer.

Das METROPOL bietet für Jung und Alt ...

Kino und mehr ...

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