Elegante Kleinkunstbühne
an der Zwickauer Straße 11

Heute vor genau 90 Jahren: Das Metropol öffnet seine Pforten

Der alte Bau des Metropol-Kinos steht ein wenig trutzig an der Zwickauer Straße. Dort am heutigen Tag ist es mehr als nur ein auffälliges Haus. Das "Metropol" ist sozusagen steinernes Geburtstagskind …

Vor dem ersten Weltkrieg besaß Chemnitz zwar ansehnliche Spielstätten für Oper, Schauspiel und Operette. Jedoch, es fehlte der Stadt an einer attraktiven Kleinkunstbühne. Und diese entstand dann ein Jahr vor Kriegsbeginn an der Zwickauer Straße 11, gegenüber vom Central-Theater. Sie wurde 1912/13 von einer GmbH, die am 7. März 1922 in eine AG umgewandelt wurde, Plänen des Chemnitzer Architekten Wenzel Bürger in Kombination von Hotel-, Variete-Theater- und Restaurationsbetrieb errichtet.

Die Stadtverwaltung erteilte dazu folgende Auflage: "Es sollten darin nur lustige, bunte Abende arrangiert und dazu Kabarett, moderne Tanzakte, musikalische Nummern herangezogen, kurzum eine Genre gepflegt werden, das mit dem Variete nicht direkt kollidiert." Ergebnis: Es entstand ein stattlicher Bau mit einer kunstsinnigen Innengestaltung.

Die Eröffnung der "Metropol-Künstlerspiele" erfolgte dann am 23. September 1913 mit "14 großen Debüts" deutscher und internationaler Stars. Die zeitgenossische Einschätzung besagte: "Schönste und elegantste Kleinkunstbühne Sachsens mit Kabarettcharakter und als solche eine Sehenswürdigkeit für Chemnitz".
Später, in den "goldenen Zwanzigern" wurde das "Metropol" unter seinem Direktor Hermann Blum zu einem echten Publikumsmagnet. Doch als der Film der zwanziger/Anfang der dreißiger Jahre eine günstigere Rendite versprach, wandelte die AG das Metropol-Theater in ein Lichtspieltheater mit 600 Plätzen um, das 1936 seinen Betrieb aufnahm.

Bei den Luftangriffen auf Chemnitz im Jahre 1945 trug das Haus schwere Schäden davon. Nach 18-monatigem Wiederaufbau unter Leitung des Adelsberger Architekten Resse, wobei das Gebäude um eine Etage "verkürzt" wurde, erfolgte am 22. April 1947 die Wiedereröffnung der Metropol-Lichtspiele als nunmehr neuntes Kino der Stadt. Zur Aufführung kam damals der erste Defa-Farbfilm "Die Fledermaus".

Nach der Wende übernahm die Ufa das "Metropol", doch sie wurde damit nicht "fündig" und schloss es deshalb am 30. April 1998. Nach viermonatiger Schließzeit übernahm das Hamburger Unternehmen "Kino! Kino" Entertainment" (KKE) das "Metropol", eröffnete es am 3. September 1998 als Sparpreiskino mit 350 Plätzen und betreibt es seither mit Erfolg.

WOLFGANG BAUSCH
Zeitung: "Freie Presse" Ausgabe 23.09.2003

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