Eine Chemnitzerin will das Metropol-Kino retten
Neubeginn für Januar geplant - Dennoch ist heute Abend vorerst letzte Vorstellung
Gute Nachrichten zum Jahreswechsel: Für das vom Ende bedrohte Metropol-Kino gibt es Hoffnung. Eine Chemnitzerin will das Haus künftig betreiben und schon im Januar wieder eröffnen. Evelin Paulat vom Verwalter des Gebäudes, dem Chemnitzer Immobilienbüro Paulat, kündigte an, das Kino ab Januar in Eigenregie weiterführen zu wollen. Als Termin für den Neubeginn ist der 12. Januar im Gespräch. Bis dahin soll das 1913 eröffnete Haus an der Zwickauer Straße im Inneren ein wenig renoviert werden. Außerdem sind einige Schönheitsreparaturen geplant.
Die bisherige Betreiberin, die Hamburger Kino! Kino! Entertainment GmbH, hatte ohne nähere Angabe von Gründen zum Jahresende ihren Rückzug angekündigt, "Der Spielbetrieb endet am 28. Dezember", so steht es lapidar an den Aushängen, von Hand auf einige Zettelchen geschrieben. Branchen-Kenner gehen davon aus, dass der Ausstieg auf die allgemeine Besucher Flaute in den deutschen Lichtspielhäusern zurückzuführen ist. Diese hat das "Metropol" nun mit einigen Monaten Verspätung getroffen, da es aktuelle Filme erst einige Wochen nach ihrem Bundesstart zeigt, allerdings zu mäßigen Preisen. "In guten Zeiten", erinnert sich der langjährige Kino-Leiter Siegfried Tippmann, "hatten wir mehr als 11.000 Besucher pro Monat."
Ob diese Zahlen so schnell wieder erreicht werden, scheint nicht zuletzt angesichts der großen Kino-Konkurrenz in der Stadt einigermaßen fraglich. Doch Evelin Paulat gibt sich ehrgeizig und überzeugt, dass ihr Konzept aufgeht. "Chemnitz braucht ein solches Kino", sagt sie bestimmt: das Niedrigpreis Modell habe sich bewährt. Mit einem möglichst umfassenden Programmangebot vom Kinder- über den Familien- bis zum Horrorfilm will sie künftig die Besucher wieder ins "Metropol" locken.
Das Publikum wird sich freuen. "Wir waren ganz traurig, als wir von der Schließung erfahren haben", sagte etwa Silke Neubert, die sich mit ihren Söhnen Jonas und Robin gestern Nachmittag noch einmal in die Schlange an der Kino-Kasse eingereiht hatte, zum Animationsfilm "Das wandelnde Schloss". "Wir waren jeden Monat mindestens einmal hier, oft auch mit Freunden", erzählt die junge Mutter, und gibt gern zu: "Vor allem wegen der Eintrittspreise".
"Uns haben in den letzten Wochen immer wieder Leute gefragt: ,Um Himmels Willen, wo sollen wir denn künftig hingehen'", berichtet Siegfried Tippmann, der seit fast 45 Jahren in der Kino-Branche zu Hause ist und das "Metropol" nach dem Rückzug der Ufa 1998 schon einmal vor dem Aus rettete, indem er einen neuen Betreiber fand. Andere hätten sich sogar nach Unterschriftenlisten gegen die Schließung erkundigt.
Die Vorstel1ung heute Abend um 20:15 Uhr - es läuft die Knast-Komödie "Spiel ohne Regeln" - wird für Tippmann und seine drei Mitarbeiter die vorerst letzte sein. "Wir waren hier wie eine Familie", sagt Filmvorführer Jakob Flemmer, die Schultern zuckend. Ob sich für ihn und seine ebenfalls von Arbeitslosigkeit bedrohten Kollegen mit der geplanten Wiedereröffnung im Januar eine neue Perspektive im "Metropol" bieten wird, dazu wollte sich die neue Betreiberin gestern noch nicht festlegen.
Auf dem Filmmarkt jedenfalls stehen die Chancen für einen erfolgreichen Neubeginn so schlecht nicht: Publikumserfolge wie "Die weiße Massei", "NVA" oder "Der kleine Eisbär" warten bereits auf ihre "zweite Runde" in Kinos wie dem "Metropol". Evelin Paulat spricht nicht von ungefähr von "Wunschfilmen" und hofft, dass die Film Verleiher ihrem Kino auch künftig mit attraktiven Streifen zur Seite stehen.
Zeitung: "Freie Presse" vom 28.12.2005
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