Für ein Paar Cent mehr
Das "Metropol" ist wieder im Spiel
Vielerorts wurde voreilig der heimische DVD-Player wieder in Betrieb genommen, während man dem Metropol noch einmal leise zum Abschied winkte.
Doch Pustekuchen! Seit dem 12. Januar hat das Billigkino unter neuer Leitung seinen Spielbetrieb wieder aufgenommen. Pünktlich mit dem Jahreswechsel begannen aufwendige Renovierungsarbeiten, die durch schnelle Handgriffe das Haus in neuem Glanz erstrahlen ließen. Betrachtet man das Ergebnis noch einmal genauer, kann man verstehen, warum die ehemalige Verwalterin Evelin Paulat dieses vormalige Variete nicht so einfach hat aufgeben wollen.
Selbiges scheint auch für den einstigen Spielplan zu gelten: "Ich will das Programm, das die Union hier gezeigt hat, in etwa aufrechterhalten", verspricht die Besitzerin. Das heißt: Familienfilm, Jugendkino und auch was für Ältere.
Bisherige Besucherzahlen beweisen, dass das Metropol auf diese Weise eine solide Arbeit gemacht hat. In guten Jahren zählte das Kino mehr als 100.000 zahlende Gäste. Das sind knapp dreimal mehr als beispielsweise das ehemalige Voxxx mit seinem gesamten Angebot erreichen konnte. Da haben selbst die Betreiber des einstigen Clubs mit dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude geliebäugelt. Doch ganze 400 Plätze Abend für Abend mit einem alternativen Programm zu füllen, erwies sich leider als bloßes Wunschdenken. Der Zugzwang zum kommerziellen Kino stellt indes für die Inhaberin kein Problem dar.
So gibt es große Kassenschlager mit gewohntem Verzug für günstige 1,99 Euro pro Nase.
Das ist wahrlich knapp kalkuliert, denn die Eignerin geht ohne Aussicht auf Förderung in Vorkasse. Aber so sind die Regeln des Spiels, hörte sie vom Kulturamt Chemnitz: "Unabhängig von der Begrenztheit der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, könnte ansonsten eine Wettbewerbsbenachteiligung der anderen privaten Kinoanbieter eintreten." Dennoch gibt es Möglichkeiten: Projekte wie die Filmwerkstatt Chemnitz oder das Internationale Filmfestival Schlingel werden auch weiterhin von der Stadt gefordert.
Vielleicht warten im Metropol ähnliche Ideen, denn bei Evelin Paulat besteht der Wunsch "dass das Kino nicht nur abends bespielt wird und auch Konzerte sowie Aufführungen stattfinden". Der neue Slogan "Kino und mehr…" bezeugt dies und erinnert an den Baustil des Hauses: Auch der Jugendstil verfolgte künstlerische Ausgefallenheit, die zweckmäßig nutzbar ist, doch stets auch schön sein darf.
MARCEL HARTWIG
Zeitschrift: "Stadtstreicher" Ausgabe 02.2006
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